
Stellt euch vor, ihr seid Ende 20. Das letzte Buch habt ihr irgendwann in der Schule gelesen – weil ihr musstet. Dann steht ihr in einem Thalia, schaut etwas schüchtern im LGBTQ+-Bereich und findet auf einmal ein Buch: Camp Rainbow.
Ihr lest den Klappentext, denkt euch: Ach was soll’s, versuch ich das mit diesem „Lesen“ nochmal, aber wenigstens mit etwas, was für euch interessant klingt. Das Buch ist nach nur drei Tagen durchgelesen und die Vorbestellung für den zweiten Teil ist quasi zur Pflicht geworden.
Tja, und jetzt sitze ich hier und schreibe einen Blogpost auf meiner Autoren-Website. Natürlich will jemand, der gerne Bücher liest, nicht automatisch auch selbst welche schreiben. Nur konnte mein Hirn nicht anders, als beim Lesen immer wieder eigene Charaktere zu entwerfen.
Ganz überraschend kam es aber letztlich doch nicht. Ich schreibe jetzt schon seit einigen Jahren Kurzgeschichten im Internet, vor ein paar Monaten sogar ein richtiges Buch im Selfpublishing – aber immer unter einem Pseudonym, immer in vollkommener Anonymität. Als ich eigentlich nur eine weitere Geschichte anfangen wollte und knapp eine Woche später über 85.000 Wörter und zwei Heulkrämpfe wegen der Charaktere hatte, war mir klar: Dieses Buch will ich nicht hinter irgendeinem Pseudonym verstecken.
Zusätzlich wurde ich dann vor ein paar Wochen noch Patreon-Unterstützer von Alicia Zett und hatte ein paar Tage später ihr aktuelles Buch „Lila Wolken im Kopf“ im Briefkasten. Darin war auch eine der Charakter-Karten, signiert mit dem Spruch:
„Vergiss nie, wie einzigartig du bist!“
Und das hat mich dann irgendwie zerrissen. Also, im absolut positiven Sinn. Ich wollte mich nicht länger verstecken, wollte voller Stolz meine Bücher präsentieren, Storys über den Werdegang posten, Cover-Reveals machen und einfach meine Charaktere in die Welt hinauswerfen. Mit der Hoffnung, dass sie andere Leser:innen genauso begeistern (oder verzweifeln lassen) wie mich.
Wenn alles gut geht, ist es am 31.07. so weit. Mein Debütroman „Wenn das Leben dir Grün schenkt“ wird erscheinen – und ich werde vermutlich der glücklichste Blob auf dem Erdenrund sein. Denn dann habe ich den Schatten hinter mir gelassen und gehe den wohl wichtigsten Schritt in meinem neuen Jahrzehnt.
Ich musste erst 30 Jahre alt werden, um zu verstehen, wofür ich so sehr brenne.